Gesamtansicht der Staatspolizeistelle Düsseldorf von der Prinz-Georg-Straße aus im Jahr 2024.

Staatspolizeistelle Düsseldorf

Düsseldorf: Staatspolizeistelle Orte der Polizeigeschichte

Daten und Fakten

Gedenktafel an der Fassade der ehemaligen Gestapozentrale in Düsseldorf im Jahr 2024.
Gedenktafel (2024)

Der aus drei fünfgeschossigen Wohnhäusern bestehende Gebäudekomplex Ecke Prinz-Georg-Straße / Ehrenstraße (heute Benedikt-Schmittmann-Straße) in Düsseldorf-Pempelfort wurde von 1910 bis 1912 nach Entwürfen des Architekten Peter Holz erbaut.

  • 1938 wurden die Häuser vom Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler zur Unterbringung der Gestapo erworben. Diese hatte ursprünglich im Alten Stadthaus an der Mühlenstraße ihren Sitz und war ab März/April 1934 im Regierungsgebäude am Alte-Garde-Ufer (heute Cecilienallee 2) untergebracht worden. Nach dem Erwerb der Liegenschaft an der Prinz-Georg-Straße nahm das preußische Staatshochbauamt Düsseldorf Umbauten vor: Es wurden Verbindungen zwischen den Häusern geschaffen und Gewahrsamszellen eingerichtet. Zudem wurde die Hofdurchfahrt von der Ehrenstraße für Einsatzwagen vergrößert und im Hof eine  Waschanlage für Fahrzeuge errichtet. Im März 1939 bezog die Staatspolizeileitstelle Düsseldorf schließlich ihren neuen Sitz.
     
  • Innerhalb des Polizeipräsidiums Düsseldorf wurden Aufgaben der politischen Polizei von der Abteilung I A wahrgenommen, die bis Februar 1933 vom Regierungsrat Wilke geleitet wurde. Durch Runderlass zum 1. Gestapogesetz vom 26. April 1933 wurde die politische Abteilung des Regierungspräsidiums in eine Staatspolizeistelle umgewandelt, die aus dem Polizeipräsidium ausgegliedert und dem Regierungspräsidium Düsseldorf angelgliedert wurde. Der erste Leiter der Düsseldorfer Gestapo, Regierungsrat Rudolf Murray, wurde im August 1933 zum Dezernenten für politische Angelegenheiten der Regierung Düsseldorf ernannt.
     

Staatspolizeistelle Düsseldorf

  • Der Staatspolizeistelle Düsseldorf wurden 1934 die Außendienststellen Wuppertal und Mönchengladbach-Rheydt sowie die „Politische Inspektion Essen“ mit ihren damaligen Außenstellen Duisburg-Hamborn und Oberhausen-Mülheim unterstellt, ab 1937 auch die Außendienststelle Krefeld-Uerdingen. Auch wurden ihr die Grenzpolizeistellen Emmerich und Kaldenkirchen, später auch die Grenzstelle Kleve sowie die Grenzpolizeiposten Flughafen-Düsseldorf, Flughafen-Essen, Wyler und Kaldenkirchen-Bahnhof unterstellt.
     
  • 1939 wurde die Staatspolizeistelle Düsseldorf zu einer Staatspolizeileistelle ernannt und war fortan für die Regierungsbezirke Köln, Aachen, Trier und Koblenz zuständig. Damit waren ihr die Staatspolizeistellen in Aachen, Köln, Trier und Koblenz unterstellt. Der Personalbestand der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf war (nach Berlin) der zweithöchste im Deutschen Reich.
     
  • Bei einem Luftangriff auf Düsseldorf in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1943 wurden in der Prinz-Georg-Straße mehrere Gebäude zerstört. Dies veranlasste die Staatspolizeileitstelle zu einem Umzug nach Ratingen, wo sie im Gebäude des Lehrerseminars einquartiert wurde. Als in der Kriegsendphase Gewaltmaßnahmen gegen ausländische Zwangsarbeiter und potentielle Regimegegner eskalierten, ordnete der letzte Leiter der Düsseldorfer Gestapo-Leitstelle, Hans Walter Karl Henschke, willkürliche Tötungen an, unter anderem in der Wenzelnberg-Schlucht bei Langenfeld, im Montagsloch bei Essen und im Burgholz bei Wuppertal.  

Weitere Informationen

Benedikt Schmittmann (1872–1939) war ein Hochschullehrer und prägender Sozialpolitiker in der Weimarer Republik.

Nach seinem Abitur studierte Schmittmann zunächst Kulturwissenschaften, wechselte dann zum Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er in Freiburg, Leipzig und Bonn absolvierte.  Nach dem Examen 1896 in Bonn wurde er 1897 in Erlangen zum Dr. iur. promoviert und bestand 1901 die Große Juristische Staatsprüfung. Da seine Interessen der praktischen Sozialarbeit galten, wurde Schmittmann 1909 zum Landesrat bei der Landesversicherungsanstalt der Rheinischen Provinzialverwaltung in Düsseldorf ernannt, wo er die Leitung des Wohlfahrtswesens übernahm. Seiner Hochschullaufbahn begann er als Dozent für Sozialpolitik an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung in Köln (1912–1917) und setzte sie als Professor für Sozialpolitik an der Kölner Handelshochschule (1917–1919) fort. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Benedikt Schmittmann 1919 eine Professur an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, wo er 1923 Direktor des neu errichteten Seminars für Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege wurde.

1919 vertrat Benedikt Schmittmann die Zentrumspartei als Abgeordneter der Preußischen Landesversammlung. Als überzeugter Föderalist forderte er eine territoriale Neugliederung des Deutschen Reiches und eine Beendigung der preußischen Hegemonie. Da jedoch seine Vorstellungen innerhalb der Zentrumspartei keine Unterstützung fanden, legte er 1922 sein Mandat nieder und trat aus der Partei aus. Im Jahre 1924 gründete Schmittmann den „Reichs- und Heimatbund deutscher Katholiken“, den er bis zum Verbot dieser Organisation durch die Nationalsozialisten leitete. In den Veröffentlichungen des Reichs- und Heimatbundes wurde der Nationalsozialismus oft und heftig angegriffen.

Nur wenige Wochen nach der Machtergreifung wurde Benedikt Schmittmann am 29. April 1933 von der SA aus seiner Wohnung verschleppt und bis zum 2. Juni 1933 in Schutzhaft im Kölner Gefängnis „Klingelpütz“ festgehalten. Das Hochverratsverfahren und das Dienststrafverfahren gegen ihn wurden zwar eingestellt. Schmittmann wurde jedoch mit einem Lehrverbot belegt. Von den Nationalsozialisten wurden ihm separatistische Bestrebungen vorgehalten, auch wurde er verdächtigt, insgeheim im Ruhrgebiet und in Köln Konventikel zu unterhalten, um die Soziallehre der katholischen Kirche zu verbreiten. Obwohl ihm nach der Entlassung aus der Schutzhaft die Auswanderung nahegelegt wurde, blieb Schmittmann in Deutschland und lebte zurückgezogen in seinem Haus in Düsseldorf-Flehe. Am 1. September 1939 um 05:40 Uhr, dem Zeitpunkt der Mobilmachung, verschafften sich zwei Gestapobeamte Einlass in Schmittmanns Wohnung und nahmen ihn fest. Nachdem er eine Woche im Düsseldorfer Polizeigefängnis festgehalten worden war, wurde Benedikt Schmittmann am 8. September 1939 mit einem Sammeltransport in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Nur wenige Tage später, am 13. September 1939, verstarb Schmittmann dort an den Folgen von Misshandlungen durch die SS.

Konrad Adenauer würdigte Schmittmanns Rolle während der NS-Zeit in einer Rede in der Aula der Kölner Universität am 26. April 1946: „Dr. Benedikt Schmittmann […] gehört zu den wenigen Universitätsprofessoren, die im Kampfe gegen den Nationalsozialismus ihr Leben dahingegeben haben. […] Die Universität Köln kann stolz darauf sein, dass sie diesen Märtyrer einst zu ihren Dozenten zählen durfte.“

Die Erinnerung an Benedikt Schmittmann wird insbesondere in Köln und Düsseldorf wachgehalten. Bereits 1960 wurde in Düsseldorf ein Abschnitt der Ehrenstraße, der in östlicher Richtung von der Prinz-Georg-Straße abzweigt, in Benedikt-Schmittmann-Straße umbenannt. Im September 2019 – 80 Jahre nach Schmittmanns Tod – errichtete der Bürger- und Heimatverein Volmerswerth am Fleher Deich in Düsseldorf, in der Nähe seiner letzten Wohnstätte, einen Gedenkstein. Vor seinem früheren Haus wurde zeitgleich ein „Stolperstein“ verlegt.


Quelle: Martin Strickmann: Benedikt Schmittmann (1872-1939) als rheinischer Föderalist zwischen antihegemonialen Reichsneugliederungsinitiativen u. sozialethischen Demokratie-Idealen, in: Geschichte im Westen (2002), S. 48-66.

Fotos

  • Ansichtskarte der Prinz-Georg-Straße in Düsseldorf aus dem Jahr 1926.
    Ansichtskarte (1926)
  • Aufnahme von Prof. Dr. Benedikt Schmittmann (um 1905).
    Benedikt Schmittmann (um 1905)
  • Fassadenzeichnung des Gebäudekomplexes an der Ehrenstraße aus der Bauakte aus dem Jahr 1910.
    Fassadenzeichnung Ehrenstraße (1910)
  • Fassadenzeichnung des Gebäudekomplexes an der Prinz-Georg-Straße aus der Bauakte aus dem Jahr 1910.
    Fassadenzeichnung Prinz-Georg-Straße (1910)
  • Gesamtansicht der Staatspolizeistelle Düsseldorf von der Prinz-Georg-Straße aus im Jahr 2024.
    Gesamtansicht (2024)
  • Ansicht des Gebäudes von der Camphausenstraße (Südseite) aus im Jahr 2024.
    Südseite (2024)

Kontakt

Staatspolizeistelle Düsseldorf

Prinz-Georg-Straße 94-98
40479 Düsseldorf