Staatspolizeistelle Düsseldorf
Düsseldorf: Staatspolizeistelle Orte der Polizeigeschichte
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Benedikt Schmittmann (1872–1939) war ein Hochschullehrer und prägender Sozialpolitiker in der Weimarer Republik.
Nach seinem Abitur studierte Schmittmann zunächst Kulturwissenschaften, wechselte dann zum Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er in Freiburg, Leipzig und Bonn absolvierte. Nach dem Examen 1896 in Bonn wurde er 1897 in Erlangen zum Dr. iur. promoviert und bestand 1901 die Große Juristische Staatsprüfung. Da seine Interessen der praktischen Sozialarbeit galten, wurde Schmittmann 1909 zum Landesrat bei der Landesversicherungsanstalt der Rheinischen Provinzialverwaltung in Düsseldorf ernannt, wo er die Leitung des Wohlfahrtswesens übernahm. Seiner Hochschullaufbahn begann er als Dozent für Sozialpolitik an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung in Köln (1912–1917) und setzte sie als Professor für Sozialpolitik an der Kölner Handelshochschule (1917–1919) fort. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Benedikt Schmittmann 1919 eine Professur an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, wo er 1923 Direktor des neu errichteten Seminars für Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege wurde.
1919 vertrat Benedikt Schmittmann die Zentrumspartei als Abgeordneter der Preußischen Landesversammlung. Als überzeugter Föderalist forderte er eine territoriale Neugliederung des Deutschen Reiches und eine Beendigung der preußischen Hegemonie. Da jedoch seine Vorstellungen innerhalb der Zentrumspartei keine Unterstützung fanden, legte er 1922 sein Mandat nieder und trat aus der Partei aus. Im Jahre 1924 gründete Schmittmann den „Reichs- und Heimatbund deutscher Katholiken“, den er bis zum Verbot dieser Organisation durch die Nationalsozialisten leitete. In den Veröffentlichungen des Reichs- und Heimatbundes wurde der Nationalsozialismus oft und heftig angegriffen.
Nur wenige Wochen nach der Machtergreifung wurde Benedikt Schmittmann am 29. April 1933 von der SA aus seiner Wohnung verschleppt und bis zum 2. Juni 1933 in Schutzhaft im Kölner Gefängnis „Klingelpütz“ festgehalten. Das Hochverratsverfahren und das Dienststrafverfahren gegen ihn wurden zwar eingestellt. Schmittmann wurde jedoch mit einem Lehrverbot belegt. Von den Nationalsozialisten wurden ihm separatistische Bestrebungen vorgehalten, auch wurde er verdächtigt, insgeheim im Ruhrgebiet und in Köln Konventikel zu unterhalten, um die Soziallehre der katholischen Kirche zu verbreiten. Obwohl ihm nach der Entlassung aus der Schutzhaft die Auswanderung nahegelegt wurde, blieb Schmittmann in Deutschland und lebte zurückgezogen in seinem Haus in Düsseldorf-Flehe. Am 1. September 1939 um 05:40 Uhr, dem Zeitpunkt der Mobilmachung, verschafften sich zwei Gestapobeamte Einlass in Schmittmanns Wohnung und nahmen ihn fest. Nachdem er eine Woche im Düsseldorfer Polizeigefängnis festgehalten worden war, wurde Benedikt Schmittmann am 8. September 1939 mit einem Sammeltransport in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Nur wenige Tage später, am 13. September 1939, verstarb Schmittmann dort an den Folgen von Misshandlungen durch die SS.
Konrad Adenauer würdigte Schmittmanns Rolle während der NS-Zeit in einer Rede in der Aula der Kölner Universität am 26. April 1946: „Dr. Benedikt Schmittmann […] gehört zu den wenigen Universitätsprofessoren, die im Kampfe gegen den Nationalsozialismus ihr Leben dahingegeben haben. […] Die Universität Köln kann stolz darauf sein, dass sie diesen Märtyrer einst zu ihren Dozenten zählen durfte.“
Die Erinnerung an Benedikt Schmittmann wird insbesondere in Köln und Düsseldorf wachgehalten. Bereits 1960 wurde in Düsseldorf ein Abschnitt der Ehrenstraße, der in östlicher Richtung von der Prinz-Georg-Straße abzweigt, in Benedikt-Schmittmann-Straße umbenannt. Im September 2019 – 80 Jahre nach Schmittmanns Tod – errichtete der Bürger- und Heimatverein Volmerswerth am Fleher Deich in Düsseldorf, in der Nähe seiner letzten Wohnstätte, einen Gedenkstein. Vor seinem früheren Haus wurde zeitgleich ein „Stolperstein“ verlegt.
Quelle: Martin Strickmann: Benedikt Schmittmann (1872-1939) als rheinischer Föderalist zwischen antihegemonialen Reichsneugliederungsinitiativen u. sozialethischen Demokratie-Idealen, in: Geschichte im Westen (2002), S. 48-66.
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